Haus der Wissenschaft im Wittwer-Bau
WS26/27

Lehrpersonen: Prof. Alexander Schwarz - Fabio Magnago, Roman Morschett, Dorothee Riedle, Jonas Schneck

Diesen Sommer stellte Prof. Mittendorf, Rektor der Universitat Stuttgart, öffentlich die Vision für ein «Haus der Wissenschaft» vor. Der Ort soll Wissenschaft im Stadtraum sichtbar und erlebbar machen, Hochschulen, Unternehmen, Start-ups und Stadtgesellschaft zusammenbringen und Raum zum Forschen, Entwickeln und Gründen bieten. Fast zeitgleich nahm die Debatte um die Zukunft des Wittwer-Baus am Stuttgarter Schlossplatz eine entscheidende Wendung.
Das bedeutende Zeugnis der Nachkriegsmoderne von Hans Kammerer und Walter Belz entstand 1970 als Teil eines städtebaulichen Ensembles gemeinsam mit dem Kleinen Schlossplatz. Dabei wurde die damals oberirdische Verkehrsachse zwischen Königstraße und Theodor-Heuss-Straße mit einer Plattform überdeckt und damit eine neue, vom Verkehr getrennte Stadtebene geschaffen. Der Wittwer-Bau wurde als Vermittler zwischen den unterschiedlichen Stadtniveaus konzipiert und verbindet bis heute die Ebene der Königstraße mit dem höher gelegenen Kleinen Schloss-platz. Mit dem Rückbau der oberirdischen Verkehrsanlage Anfang der 1990er-Jahre und dem Bau des Kunstmuseums um die Jahrtausendwende verschwand ein Großteil des Ensembles - der Wittwer-Bau allerdings blieb bestehen. Anfang 2026 gab die neue Eigentümerin der Immobilie bekannt, einen Abriss und Ersatzneubau anzustreben, woraufhin sich eine breite Protestbewegung gegen das Vorhaben formierte. Auch wenn das Gebäude heute nicht unter Schutz steht, kann es als wichtiger Vertreter der Stuttgarter Nachkriegsmo-derne verstanden werden, der fest im Stadtgedächt-nis verankert ist und durch seine plastische Fassade und differenziert gegliederte Volumetrie bis heute zu überzeugen vermag. Schlussendlich hat die öffentliche Debatte zur Auslobung eines Wettbewerbs geführt, bei dem der Abriss des Gebäudes nur noch eine Option unter mehreren ist.
Bei unserem Entwurf möchten wir die Untersuchung des öffentlichen Raums ins Zentrum stellen und der Frage nachgehen, wie ein Haus der Wissenschaft der besonderen Öffentlichkeit dieses Ortes gerecht werden kann. Dabei sollen Aspekte wie die anspruchsvolle Topografie und Er-schlie-Bungssituation nicht als Einschränkung, sondern als raumliches Potenzial begriffen werden. Zugleich soll der Entwurf einen Beitrag zur Debatte über den Umgang mit dem architektonischen Erbe der Nachkriegszeit und die Weiterentwicklung zentraler innerstädtischer Räume leisten.

Bild von Deutsches Architekturmuseum (DAM), Nachlass Max Bächer

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